Buchtipp: Vom Ende der Einsamkeit von Benedict Wells

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Bild: Goldstück

Emotional

Bücher stellen wir Euch bekanntlich gerne vor – ich persönlich rezensiere meist nur diejenigen, die ich als leicht und unterhaltsam empfinde, mit denen ich mir gerne einen Flug oder ein paar Stunden am Strand vertreibe.

Die Romane, die mich die Nacht über wachhalten, weil ich sie einfach zu Ende lesen MUSS, die mich auch danach begleiten und beschäftigen, die erwähne ich so gut wie nicht. Einmal habe ich einen so großen Respekt vor demjenigen Werk, das in mir so viel Emotion weckt, zum anderen denke ich, dass schon so viele tolle Menschen so tolle Rezensionen geschrieben haben, dass meine nun auch keine Rolle mehr spielt. Oder um es kurz zu fassen: ich traue es mir einfach nicht zu.

Was aber, wenn Du genau bei diesem Text aufmerksam wirst auf diesen sensationellen Schriftsteller? Was, wenn Dir das Buch irgendwann genauso viel bedeutet wie mir?

„Vom Ende der Einsamkeit“ traf mich völlig unerwartet mitten ins Herz, ich weiß nicht mehr, wie es im Herbst 2016 überhaupt auf meinem Nachttisch gelandet war, wahrscheinlich hatte ich es mir ausgeliehen. Es sollte wohl so sein, und seitdem halte ich immer wieder inne und denke über die Geschichten von Jules und Alva nach.

Nachdem ich den Roman von Benedict Wells beim ersten Mal innerhalb kürzester Zeit geradezu inhaliert hatte, völlig gefesselt von der Abfolge der Geschichte und ihrem Ausgang, habe ich das Buch nun gekauft und es wieder gelesen – da ich ja wusste, was geschieht, konnte ich mich etwas ruhiger mit den Charakteren beschäftigen und mir die einzelnen Szenen besser vor Augen rufen.

Jules ist gerade 10 Jahre alt, als seine Eltern völlig unerwartet sterben und er und seine beiden älteren Geschwister kurzerhand im Internat landen. Dies ist kein schickes Institut mit Golfrasen und Pferdekoppel sondern ein ziemlich spartanisches Heim, in dem die Schüler je nach Alter in unterschiedlichen Gebäuden leben. So verliert der kleine Jules über Nacht nicht nur seine Eltern sondern auch seine Schwester Liz und seinen Bruder Marty. Einzig die rätselhafte Alva setzt sich neben ihn und wird ihm über die Schulzeit eine einzigartige Freundin.

In den folgenden Jahren verlieren und verbinden sich die Wege dieser vier Personen immer wieder, bis alle so um die 40 Jahre alt sind und es zu einem heftigen Finale kommt. In der Zwischenzeit nimmt uns der Autor mit in verschiedene Länder, Regionen und in sehr unterschiedliche private Lebenssituationen. Letztlich scheint jeder seinen eigenen Weg zu finden, um dem Ende der Einsamkeit zu begegnen.

Bis heute ist es mir völlig unbegreiflich, wie ein noch junger Autor mit knapp 31 Jahren ein Buch von solch emotionaler Tiefe schreiben kann und wie er die Gefühlswelten von sehr viel jüngeren aber auch von sehr viel älteren Personen so eindrucksvoll beschreiben kann. Ich weiß, dass ich „Vom Ende der Einsamkeit“ nicht zum letzten Mal gelesen habe und dass ich noch viel über die Charaktere und ihre Schicksale nachdenken werde.
Ich hatte vorher noch nie von Benedict Wells gehört und habe ihn nach der Lektüre dieses seines vierten Romans fast besessen recherchiert. Natürlich habe ich seitdem auch die anderen drei Romane gelesen und erleichtert festgestellt, dass er auch bei weniger schweren Themen ein begnadeter Erzähler ist. Ich liebe die frühen Bücher von John Irving: Garp oder die wilde Geschichte vom Wassertrinker ebenso wie das Hotel New Hampshire.

Benedict Wells heißt eigentlich ganz anders, sein großes Vorbild ist John Irving und so hat er einen Irvingschen Nachnamen als Künstlernamen gewählt. Diese Schuhe waren keinesfalls zu groß gewählt: mit Herrn Wells werden wir noch viel Spaß haben.

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