Buchtipp: “Extrem laut und unglaublich nah” von Jonathan Safran Foer

Bild: Goldstück

Spannend und herzzerreißend

Ein Buch, das wirklich bewegt: der Roman Extremely Loud & Incredibly Close, der 2005 als zweites Werk von Jonathan Safran Foer in den USA erschien, wurde noch im selben Jahr unter dem Titel Extrem laut und unglaublich nah ins Deutsche übersetzt.

Das Buch erzählt die Geschichte des neunjährigen Oskar Schell, der seinen Vater durch die Terroranschläge des 11. September 2001 verliert. Die Vater-Sohn-Beziehung spielt eine zentrale Rolle und gewährt dem Leser tiefe Einblicke in dieselbe. Der Tod eines geliebten Elternteils ist ein Schicksalsschlag, der gerade für Kinder in Oskars Alter nur schwer zu verkraften ist. Extrem laut und unglaublich nah geht er damit auf eine rührende Art und Weise um, indem der junge Protagonist glaubt, in dem Tod seines Vaters ein Rätsel entdeckt zu haben. Er entdeckt einen mysteriösen Briefumschlag mit dem Namen Black, in dem sich ein Schlüssel befindet. Anschließend begibt er sich auf die Reise durch die fünf Bezirke New Yorks, um das passende Schloss zu finden.

Auf der Reise, die den kleinen Jungen in jeder Hinsicht wachsen lässt, erfährt er Unterstützung von einem alten Nachbarn, der ebenfalls Black heisst. Er trifft dabei auf Menschen, die alle eine Geschichte zu erzählen haben. Während seines Vorhabens springt er mehrmals über seinen Schatten und stellt sich seinen schlimmsten Ängsten – beispielsweise Brücken zu überqueren. Dies gelingt ihm mithilfe eines Tamburins, das er wild rasselt, um seine Angst nicht zu “hören”.

In dem Roman wird auch das Verhältnis zwischen Mutter und Sohn aufgegriffen. Während Oskar mit aller Mühe und Sehnsucht – nach seinem Vater – alles daran legt, eine Antwort auf das zu finden, was passiert ist, leidet seine Mutter im Hintergrund. Das Besondere und hoch-bewegende an den Werken von Jonathan Safran Foer ist die komplexe Erzählstruktur, die sich schon in seinem ersten Roman Alles ist erleuchtet abgezeichnet hat. Schon auf den ersten Seiten, wird man buchstäblich in die Geschichte hineingezogen und hat das Gefühl, in dem kleinen Jungen zu “stecken”.

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(Bild: Goldstück)

Extrem laut und unglaublich nah ist wie das Tamburin für Oskar, der Roman tut weh, rüttelt auf und berührt bis die Tränen fließen.
Darüber hinaus wird das Lesen zu einem richtigen Erlebnis, denn wunderschöne Fotografien, Skizzen und die Schreibnorm aufbrechender Details nehmen den Leser mit auf Oskars Reise. So wünscht man sich, dass er seine Antwort findet und weint mit ihm und motiviert ihn in stillen Gedanken. Dieses Phänomen entsteht aus dem unglaublichen Talent des Autors, Worte lebendig werden zu lassen und eine Welt zwischen den Zeilen zu erschaffen, die wahrlich bewegt.

Extrem laut und unglaublich nah” ist im Fischer Verlag erschienen und kostet als Taschenbuch 12,00 € (auch, wenn es unbezahlbar ist)

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