Goldstück-Portrait: Sara Carner, Gründerin von Carner Barcelona

Die Düfte von Carner Barcelona haben wir bei Goldstück schon kurz nach Launch kennen- und lieben gelernt. Seitdem habe ich gehofft, die Gründerin des Unternehmens einmal persönlich zu treffen  – mich interessierte, wem es gelungen war, meine alte Heimatstadt olfaktorisch so treffend einzufangen.

Letzte Woche war es endlich soweit: ich treffe Sara Carner an einem Augustmorgen im Eixample oberhalb der Avenida Diagonal – nahe des Platzes Frances Macia. Es ist der Teil der Stadt mit den imposantesten Häusern, den besten Familien und vielen alteingesessenen katalonischen Unternehmen.
Sara empfängt mich in ihrem Büro – eine sehr attraktive, hochgewachsene Frau Anfang Dreißig, die mich mit ihren blauen Augen und langen blonden Haaren optisch mehr an meine skandinavischen Freundinnen erinnert, sich aber schnell als echte Katalanin entpuppt.

Auf dem Weg zu ihrem Lieblingscafé erzählt sie, dass sie mit ihrem zweiten Kind schwanger ist und dass sie es bei den Untersuchungen vermeidet, das Geschlecht herauszufinden: sie liebt die Überraschung im Kreißsaal. Ihr Baby bringt sie in New York zur Welt, dort wird sie mit ihrer Familie im nächsten halben Jahr wohnen, um ein größeres Distributionsprojekt für ihre Marke zu betreuen. Sie erzählt dies so unglaublich entspannt als handele es sich um den Nachbarort – die Frage, ob sie dort schon einen Arzt und eine Entbindungsstation habe, verneint sie gut gelaunt: diese Dame strahlt eine sehr angenehme Ruhe aus.

Mittlerweile sitzen wir bei Café con Leche und Zumo de Naranja und plaudern über die Anfänge von Carner Barcelona. Sara hatte nach einem Doppelstudium Jura und BWL zunächst im Finanzmarkt gearbeitet und ging dann mit ihrem Mann nach New York, wo sie zunächst an der Columbia University einen MBA machte.
In diesem Master-Studium kam sie erstmals mit Marketing- und Brandingthemen in Berührung und begann über eine eigene Unternehmensgründung nachzudenken.

Nach dem Master arbeitete sie bei Chanel Fragrances in New York bevor sie ein Angebot von Shiseido bekam, zu dem sie nicht Nein sagen konnte. Shiseido ist in den USA auch Lizenznehmer für Duftmarken wie Hermès, Narziso Rodriguez und andere Luxus-Marken. Hier stieg Sara tief in die Parfum-Thematik ein, und als es nach zwölf Monaten zurück nach Barcelona ging, stand für sie fest: ich gründe mein eigenes Duft-Unternehmen und  trage meine Heimat in die Welt.

Sara lacht, wenn sie sich an das erste Jahr der Unternehmensgründung erinner: die Idee, Parfums zu produzieren, war geboren, aber das war auch ungefähr alles, was sie über den Nischenduft-Markt wusste.
Gemäß ihrem eher zahlengetriebenenen Naturell ging sie das Thema analytisch an: sie traf die verschiedensten Parfümeure, Flakon-Produzenten, Deckel-Fabrikanten und Karton-Hersteller, studierte den Markt und ihre zukünftige Konkurrenz bis ihre Strategie feststand: sie würde die besten „Nasen“ für ihre Düfte beauftragen, die Herstellung der Flakons und Verpackungen jedoch in rein katalonische Hand geben.
Jeder Duft würde eine Holzkomponente haben, die sich im Deckel der sehr puristisch gehaltenen Flaschen wiederspiegeln würde.

Bei der Namensgebung war sie sich schnell sicher: als erste Parfums lancierte sie 2011 die Düfte D600 und Tardes – D600 steht für die Adresse ihres Wohnhauses, Avenida Diagonal 600, Tardes bedeutet schlicht Nachmittag oder früher Abend. D600 fängt die Stimmung der erwachenden Stadt ein, Tardes liefert ein üppiges mediterranes Bouqet, das an Sommertage am Mittelmeer erinnert.
In Barcelona waren bald ein paar gute Parfümerien und Concept-Stores gefunden, auch die deutsche Distribution war dank eines Kontaktes aus New York schnell in trockenen Tüchern: Corinna Mosler-Jakobson, Inhaberin von Belle Rebelle und Distributeurin einiger feiner Nischenmarken, war begeistert und konnte für Carner Barcelona einige der besten deutschen Türen öffnen.

Mittlerweile umfasst die Linie fünf Düfte, im Frühling wurde der neueste Duft EL BORN lanciert. Die Parfums von Carner Barcelona sind in ausgewählten Parfümerien in Europa, USA und dem Nahen Osten erhältlich – lediglich im Rest von Spanien tut man sich mit den Produkten aus Barcelona ein wenig schwer.
Auf den Konflikt zwischen Katalonien und der Regierung in Madrid angesprochen, reagiert Sara mit katalonischem Herzblut: eigentlich müsste sie längst eine Lieferung im Büro entgegen nehmen, doch wir stehen vor der Türe und es macht sie traurig, dass das Bild Kataloniens im restlichen Europa verzerrt wird, dass die Regierung in Madrid ein Referendum verbietet und dass sie anderen Provinzen Spaniens mehr Unabhängigkeit zugesteht als anderen.

Am meisten jedoch bedauert sie, dass durch diese Konfilkte ein verzerrtes Bild ihrer Heimat im Ausland gezeichnet wird. Die Katalanen seien viel weltoffener und freundlicher als der Rest Europas es denken mag.
Sara, sei unbesorgt:  nicht nur Deine Parfums, auch Deine einnehmende Art sind die perfekten Botschafter Deiner Stadt!

Gracias para una manana exceptional, que te vaya muy bien! Un abrazo fuerte






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